Der Gesprächskreis Homosexualität der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg (GKHS) hat am 8. Mai 2020 seine Gedenkveranstaltung einschließlich der traditionellen Kranzniederlegung vor der Gedenktafel für die schwulen Opfer des Nationalsozialismus durchgeführt. Der Anlass waren die 75. Jahrestage für die Befreiung des KZ Sachsenhausen, am 21. April, des KZ Ravensbrück am 30. April und der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai.1945.

Für den Gesprächskreis organisierte Lothar Dönitz – unter Einhaltung der Corona Beschränkungen mit Hygieneabständen und  Mund-Nase-Bedeckung – die Veranstaltung an der etwa 20 Freund*innen teilnahmen.

[Gruppenfoto: © Manuela Kirchhoff, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen] 

Dabei war auch Detlef Mücke (AG Schwule Lehrer GEW Berlin). Als 1985 auf Anregung des West-berliner Schwulenaktivisten Joachim Müller eine Gruppe Männer vom „Treffen Berliner Schwulen-gruppen“ (TBS) eine Kranzniederlegung in der „Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen“ (DDR) durchführte, hatte er eine Kranzschleife in seiner Unterwäsche versteckt und so in die DDR eingeschleust. Diese Kranzschleife musste auf Anordnung der Gedenkstättenleitung von einem Mitarbeiter wieder abgeschnitten werden.

Eindrucksvoll war die Teilnahme von Klaus Born, einem Opfer der Homosexuellenverfolgung in der BRD. Klaus ist ein Neffe von ⟩ Heinrich Wahle (* 1897 † 17.07.1942), der im Sommer 1942 während der berüchtigten Mordaktion der SS im Klinkerwerk Oranienburg ermordet wurde.

Bemerkenswert ist die Teilnahme von Pfarrerin Marion Gardei, die Beauftragte für Erinnerungskultur der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Frau Dr. Astrid Ley, stellv. Direktorin der Gedenkstätte Sachsenhausen, sprach zur Begrüßung und zum Gedenken an die Opfer.

Vor dem stillen Gedenken und der Kranzniederlegung erklang die Originalstimme Paul Celans mit der ⟩ »Todesfuge – Der Tod ist ein Meister aus Deutschland«.

Anschließend erfolgten gemeinsam mit Frau Gardei die Kranzniederlegung und der Blumenschmuck an der Gedenktafel.

[Bild: Grabsträuße mit Schleifen der EKBO und des Gesprächskreises - © Lothar Dönitz]

Vor dem Bereich der „Isolierung“ (Baracken 10-14, 34-36) lasen Bernhard Baldus und Georg Härpfer aus einem Häftlingsbericht »Wohl dem, der hier nur eine Nummer ist«.

In Erinnerung an die über 40 uns bekannten Opfer trugen Frau Gardei und Detlef Mücke die Namen der dort Ermordeten vor. Lothar Dönitz las die Leidenswege von
⟩  Heinrich Hoffmann † 12.01.1940,
⟩  David Busacker † 03.05.1940
⟩  Herbert Gürtzig † 21.01.1942,
⟩  Hugo Ziegler † 08.10.1942
⟩  Hans Grohe † 19.01.1942
vor.

 
[Bild: Lothar Dönitz, Detelf Mücke, Pfarrerin Marion Gardei (EKBO) vor der "Isolation"
© Manuela Kirchhoff, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen]

Dann schloss sich der symbolische Gang auf dem letzten Weg der Ermordeten zur „Station Z“ an. Z, der letzte Buchstabe im Alphabet, war die Endstation vieler Opfer des KZ Sachsenhausen. Hier standen die Verbrennungsöfen, hier wurden in der Genickschussanlage etwa 13.000 bis 18.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet und ihre Leichen anschließend verbrannt. Hier war die Endstation unzähliger schwuler Männer. Ihr Verbrechen war ein Menschenrecht, schwul zu sein!
Vor der Bronzeplastik „Stürzender“ von Waldemar Grzimek wurde der Männer gedacht, die von 1941 bis 1945 im Männerlager des KZ Ravensbrück ermordet wurden. Uns sind bis heute 46 Opfer namentlich bekannt. An die Ermordeten erinnernd, trug Helmut Hanle die Schicksale von

⟩ Gustav Herzberg † 26.06.1942 und ⟩ Willi Gosch † 06.04.1942

vor. An diesem Ort hat bereits am 24. September 1988, noch in der DDR, der Gesprächskreis sein erstes Gedenken durchgeführt.

[Bild: Pfarrerin Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der EKBO; Lothar Dönitz (GKHS)
© Manuela Kirchhoff, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen] 

Mit ⟩ Worten des Gedenkens und ein Gebet [pdf] von Pfarrerin Gardei sowie dem Song »Wer möchte nicht im Leben bleiben« (Musik: Kurt Schwaen, Text: Wera Küchenmeister) ging die Veranstaltung zu Ende.

Video: ⟩ [ "... das machen wir jetzt immer so ..."]  © Peter Rausch (GKHS) & Manuela Kirchhoff (GuMS)

»Die Ermordeten sollen nicht noch um das Einzige betrogen werden, was unsere Ohnmacht
ihnen schenken kann – das Gedächtnis«
.
(Theodor W. Adorno: »Eingriffe«)

Alle Opfernamen können in dem aus gleichem Anlass aktualisierten 

⟩ »Totenbuch & Stolpersteine der bisher namentlich bekannten homosexuellen Opfer 
des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück
«

nachgelesen werden.